Gehversuche im Netz

Am 11.4. 2013 fand in Würzburg ein Workshop zum Bloggen für Geisteswissenschaftler statt, organisiert von Redaktionsmitgliedern von hypoteses.org. Diese Plattform für geisteswissenschaftliche Blogs gibt es seit ca. einem Jahr. Es ging vor allem darum: wozu wissenschaftliches Bloggen gut ist, wie das eigene Blog bekannter werden kann und wie man es schafft, das Blog regelmäßig zu „füttern“. Anwesend waren hauptsächlich Doktoranden u.a. Nachwuchswissenschaftler. Im ersten Teil stellten verschiedene Referenten ihre Blogs und Erfahrungen dazu vor, zum Schluss erstellten alle TeilnehmerInnen unter Anleitung von Sebastian Gießmann einen Probe-Blog auf hypotheses.org.

Ich erfuhr vor allem, dass Vernetzung sehr wichtig ist. Ums sich als Wissenschaftler zu positionieren und sich eine „digitale akademische Identität“ aufzubauen, braucht man zusätzlich zum Blog auch Twitter u.a. soziale Netzwerke. Immer wieder betonten die Referenten, dass ihnen beim Bloggen die Ideen nur so zufliegen. Diese Erfahrung kann ich bei meinen kleinen ersten Schritten nur bestätigen. Das Bloggen diszipliniert und wie von selbst entwickelt man ein aufmerksames Erleben. Und vor allem: es macht Spaß, man schreibt einfach so und im lockeren Stil von der Seele weg. Man bleibt an der Sache dran, um die es geht, bleibt laufend im Prozess. I.d.R. schreiben die Referenten 1x wöchentlich 2 Stunden. Blogger scheinen keine Schreib-Blockaden zu entwickeln...

Der Literaturwissenschaftler Dr. Christof Schöch (dragonfly.hypotheses.org)  gab einen kurzen Überblick zur Einordnung des Bloggens in die Medienlandschaft sowie einen kurzen geschichtlichen Abriss verschiedener Publikationsmedien. Anders als sonst im Wissenschaftsbetrieb wird beim Bloggen zuerst geschrieben und hinterher aussortiert: „publish first, filter later“.

Dr. Anne Baillot (digitalintellectuals.hypoteses.org) widmet sich seit einigen Jahren der Übertragung und Digitalisierung von Briefen u.a. Handschriften von Berliner Persönlichkeiten des 18./19. Jh. widmet. Ihre Tipps: kurze Texte werden eher gelesen, Titel (Überschriften) dienen als Indikator, ob der Artikel überhaupt in die Lese-Auswahl kommt. Sie selbst schreibt in ihrem Blog auch Berichte von Tagungen etc. (eigenes Menü: Berichterstattung). Das kommt bei den Veranstaltern gut an und wird von denen auch weiter gestreut – und damit wird ihr Blog noch bekannter.

Sabine Scherz  (games.hypotheses.org) riss ein paar Kreativitätstechniken an, die sie gern nutzt, um am Ball zu bleiben (zu einem Thema ähnlich wie „Name-Stadt-Land“ das Alphabet durch Begriffe suchen, Mindmap). Sie fasst auch Literatur zusammen, die sie sowieso lesen muss, das Blog dient ihr sozusagen als Dokumentation der Expertise. Bemerkenswert fand ich auch hier ihre Vernetzungen (Twitter & Co) und deren aktive Nutzung. Sie nimmt auch jeden einzelnen „Follower“ ernst. Auf den Punkt gebracht endete mit folgenden Kernsätzen (sinngemäß): Qualität und Kontinuität entsteht durch Motivation. Und: Sie sieht ihr Blog als kleine Warenprobe neben der wissenschaftlichen Arbeit.

Der Linguistik-Professor Martin Haase (neusprech.org) stand am Schluss der Redner. Sein gemeinsam mit dem Journalisten Kai Biermann betriebener Blog fokussiert auf Sprachkritik, besonders in bezug auf die Politik. Dieser Blog erhielt sogar den Grimme Award. Prof. Haase fokussierte auf die Vernetzung und das „Bekannt-werden“ des Blogs, sowie auf die wirtschaftliche Seite. Er baut in seinem Blog auch LiveStreams ein (xenim.de), auch Podcasts lassen sich bei wordpress einbinden (http://thebobs.com).

Einen ausführlichen Tagungsbericht mit Literaturangaben entdeckte ich auf dem Digital Humanities-Blog.

Dieser Workshop ließ mich erahnen, dass auch die Geisteswissenschaftler so langsam digital sichtbarer werden! Ich selbst fange ja auch erst jetzt mit ganz kleinen Schritten an. Spannend! 😉

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Kommentare zu: "Workshop zum wissenschaftlichen Bloggen" (2)

  1. Vielen Dank für diesen schönen Bericht. Liest sich so, als sei dies ein spannenden & inspirierenden Workshop gewesen. #Like

    Das mit den zufliegenden Ideen kann ich nur bestätigen. Besonders durch das sich quasi von selbst bildende Netzwerk mit anderen Menschen, die sich für ähnliche Themen interessieren. Wahnsinnig inspirierend… 🙂

    • Ja, das war ein zugleich spannender und entspannter Workshop. Danke für das Weiterleiten zu Twitter, das habe ich noch nicht so raus, wie man das so macht. Aber ich werde das noch lernen 😉

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